NATURGESETZ PARTEI

Fachgruppe Gentechnik
Am Berg 13 - 49143 Bissendorf
Tel. 05402-7269 / Fax: - 8738



Einladung zur Pressekonferenz in Bonn*)

Dienstag, 25. Februar 1997 um 10.30 Uhr

Presseclub, Heinrich-Brüning-Straße 20

Vom BSE-Skandal zur GEN-Katastrophe

Neue wissenschaftliche Fakten beweisen, daß Gentechnik in Lebensmitteln und im Agrareinsatz risikoreicher ist als bisher angenommen. (Anlage: L-Tryptophan, rr-Sojabohne, Pestizidresistenzen) Trotzdem müssen nach der Novel Food Verordnung, die im Frühjahr in Kraft tritt, nur 20% der Gen-Nahrung tatsächlich gekennzeichnet werden. EU-Entscheidungen im Novel-Food-Bereich zeigen deutliche Parallelen zur BSE-Problematik auf die Europäische Kommission hatte mehr als 7 Jahre lang die Gefahren der Rinderseuche verharmlost und die wahren Zusammenhänge verschleiert.

In derselben Weise treibt die Kommission Verordnungen und Zulassungen für neuartige Lebensmittel mit gefährlicher Konsequenz voran gegen die Bedenken des EU-Parlaments und einzelner Rats- und Kommissionsmitglieder. Wirtschaftsinteressen werden dabei über die Sicherheit der Verbraucher gestellt und dadurch sogar Menschenleben gefährdet. Studien, die belegen, daß Gentechnologie ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt und zusätzliche Belastungen für die Umwelt bringt, werden bei den Entscheidungen der EU-Kommission unberücksichtigt gelassen.

Die NATURGESETZ PARTEI richtet daher einen dringenden

Appell an die Deutsche Bundesregierung

um Risiken, die aus der Gentechnologie entstehen, zu bannen. Sie fordert die Neubewertung gentechnisch erzeugter Lebensmittel unter Berücksichtigung aller verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse.

50 000 Unterschriften für den Bundesgesundheitsminister

Die Forderungen der NATURGESETZ PARTEI zur Gentechnik haben seit Juni 96 in Deutschland 50 000 Bürger unterschrieben. Am 25. Februar werden diese Unterschriften mit dem beiliegenden Appell im Bundesministerium für Gesundheit überreicht.

*) Sprecher:
Dr. rer. nat. Klaus Volkamer

Mitglied des Bundesvorstandes, Forschung und Technologie

Dipl. Chem. Traude Langer
Fachgruppe Gentechnik

Joachim Zegke
Fachgruppe Gentechnik



Februar 1997

Appell an die Deutsche Bundesregierung

Zur Neubewertung gentechnisch erzeugter Lebensmittel

unter Berücksichtigung der neuesten wissenschaftlichen Tatsachen

Aus Sorge um die Gesundheit der deutschen Bevölkerung durch die Risiken gentechnisch erzeugter Nahrung, richtet die NATURGESETZ PARTEI einen dringenden Appell an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland: Sie möge alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Gesetzgebung, Verordnungen und Erlasse nutzen, um auf strengste Kriterien bei der Zulassung und auf eine strikte Kennzeichnung von gentechnisch erzeugten Lebensmitteln (incl. Futtermittel) jeglicher Art hinzuwirken. Ferner möge sie den Handel und die Verwendung transgener Pflanzen und ihrer Folgeprodukte, sowie gentechnisch erzeugter Lebensmittelzusatzstoffe verbieten. Nach neuesten wissenschaftlichen Tatbeständen gehen von gentechnisch veränderten Organismen konkrete Gefährdungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt aus. Die "Novel Food Verordnung" bedarf einer nationalen Initiative, um die deutsche Bevölkerung vor diesen Risiken zu schützen.

Artikel 12 der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten gibt jedem Mitgliedsstaat das Recht, "den Handel und die Verwendung eines Lebensmittels oder einer Lebensmittelzutat in seinem Hoheitsgebiet vorübergehend einzuschränken oder auszusetzen, wenn stichhaltige Gründe für die Annahme vorliegen, daß die Verwendung die menschliche Gesundheit oder die Umwelt gefährdet." Alleine die mangelhafte Risikoabschätzung und das Fehlen von Langzeitstudien erfordern ein solches Vorgehen des Bundesgesundheitsministers.

In der Vergangenheit hat sich bereits beklemmend gezeigt, daß zumindest eine strikte und lückenlose Kennzeichnung neuartiger Lebensmittel und Lebensmittelzusätze dringend angezeigt ist, damit sich der Verbraucher vollständig und ohne jeden Zweifel über die Anwendung von Gentechnik informieren kann.

37 Tote durch gentechnisch erzeugtes L-Tryptophan allein in den USA (Mayeno 1994, Nordlee 1996), lebensgefährliche Paranußallergie durch gentechnisch veränderte Sojabohnen (Taylor 1993), tödlich verlaufende neuartige Darminfektion durch mutierte Darmbakterien (Hill 1994, Der Spiegel, 30/1996) und Antibiotikaresistenz durch transgene Früchte (Katalyse-Institut 1995) lassen keinen Zweifel an den realen Gefahren der Gentechnik in Lebensmitteln.

Neueste Untersuchungen zur transgenen rr-Sojabohne decken gravierende Mängel der von der US-Firma Monsanto vorgelegten Untersuchungen auf (Weber 1996). Entgegen den Aussagen der BioTech-Industrie wird sich der Verbrauch von Agrarchemikalien durch den Anbau Herbizid-resistenter Pflanzen erheblich steigern. (Risö-Nationallabors-Dänemark 1996, Goldburg 1994, Abbot 1994, Union of Concerned Scientists 1994)

Meinungsumfragen haben wiederholt die ablehnende Haltung der Bevölkerung zur GenTech-Nahrung bestätigt - mehr als 80% der Deutschen wollen neuartige Lebensmittel nicht kaufen. Wir sind davon überzeugt, daß die Deutsche Bundesregierung diese, auch wissenschaftlich, berechtigten Sorgen der Menschen in unserem Land berücksichtigt und Maßnahmen einleiten wird, die dem Rechnung tragen.

Zur Bestätigung der Forderung nach strikter, uneingeschränkter Kennzeichnung neuartiger Lebensmittel überreichen wir dem Bundesminister für Gesundheit, stellvertretend für die Regierung der Bundesrepublik Deutschland, 50 000 Unterschriften von Bürgern, die eine solche Initiative erwarten.


Anlage

Der Fall L-Tryptophan

In den Jahren 1989/90 erkrankten in den USA Tausende von Menschen an dem sog. EM-Syndrom (EMS). Als Folge davon starben 37 Personen, 1500 erlitten dauerhafte gesundheitliche Schäden mit Lähmungen, Hautbrennen und ständigen Schmerzen. Als Ursache der bis dahin unbekannten Krankheit erwies sich eindeutig die Nahrungsergänzung L-Tryptophan.

Dieser Stoff wird bereits seit langem als stärkender Nahrungszusatz und harmloses Schlafmittel verkauft. Ein Großlieferant für den US-Markt ist das japanische BioTech-Unternehmen Showa Denko. Um die Herstellung zu optimieren, hatte Showa Denko das Produktionsverfahren 1989 auf gentechnisch veränderte Bakterien umgestellt. Exakt, nachdem diese Umstellung erfolgt war, traten die z.T. tödlich verlaufenden Nebenwirkungen auf.

Dieses Produkt war in Deutschland niemals zugelassen, so daß dieser durch L-Tryptophan ausgelöste GAU der Gentechnik in Deutschland nicht auftrat.

Durch die Novel Food Verordnung, wie sie im Frühjahr in Kraft tritt, kann jedoch die Wiederholung solcher Fälle - auch in der EU - nicht ausgeschlossen werden.

Artikel 2 der Verordnung schließt Stoffe, wie Enzyme, Aromen, Extraktionsmittel etc. aus ihrem Geltungsbereich aus. Das bedeutet, daß gentechnisch erzeugte Lebensmittelzusatzstoffe keinem speziellen Zulassungs- und Prüfverfahren unterliegen; sie werden wie eine nicht zu genehmigende Chemikalie bewertet.

Gerade von Chemikalien gehen jedoch besondere Gefahren aus. Denn bereits im ppm-Bereich (0,0001%-Bereich) können unkontrolliert entstandene Nebenprodukte hochtoxische oder -allergene Wirkung haben. Diese geringfügigen Verunreinigungen, die lebensmittelrechtlich zugelassen sind, lassen sich oftmals nicht einmal identifizieren.

Selbst Labortests, wie Tierversuche und Serumtests, können diese Gefahren nicht auffangen.

Quellen:
Mayeno A.N., Gleich G.J. (1994) TIBTECH 12:364
Nordlee, J.A. et al. (1996) The New England Journal of Medicine 688
L.Roberts, (1990) Science 249, S.988
P. Raphaels, (1990) Science 249, S.619




Untersuchungen zur herbizidresistenten rr-Sojabohne

Wissenschaftliche Daten belegen eindeutig, daß die transgene ready-roundup-Sojabohne, die im Frühjahr 1996 von der EU-Kommission für den Markt zugelassen wurde, entgegen den vom Antragsteller Monsanto vorgelegten Unterlagen, der entsprechenden herkömmlichen Bohne nicht gleichwertig ist.

Jeder gentechnisch veränderte Organismus und seine Folgeprodukte enthalten unvermeidlich artfremde Eiweißstoffe. Damit muß man sie in jedem Fall wissenschaftlich eindeutig als "nicht gleichwertig" einstufen. Die Novel Food Verordnung unterstellt jedoch, daß es gentechnisch veränderte Organismen und Folgeprodukte gibt, die ihren herkömmlichen Entsprechungen gleichwertig sind.

Quellen:
Sandermann, H., Wellmann, E.(1988) Bundesministerium für Forschung und Technologie (Hrsg.) Biologische Sicherheit 1, 285-292

Weber, B.(1996) "Risikoanalyse Gentechnik" Referat

Fagan, J.(1997) Schreiben an die Mitglieder des Europäischen Parlaments




Unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch eingebrachter Herbizidresistenzen

Dänische Biologen haben nachgewiesen, daß gentechnisch veränderter Raps, der gegen das Totalherbizid "Basta" (Hoechst-AgrEvo) durch Gentransfer resistent gemacht wurde, seine artfremden Merkmale an verwandte Wildkräuter weitergibt. Die Immunitätsgene werden durch Pollenflug, Insekten und Bakterien übertragen. Die Herstellerfirma AgrEvo und andere GenTech-Saatguthersteller hatten dieses Phänomen bislang bestritten.

Die dänische Studie hat damit einen erheblichen Risikofaktor für die Umwelt, der schon seit langem von Gentechnik-Kritikern vorausgesagt war, bestätigt:

Folgen für die Landwirtschaft

1) Derselbe Verbreitungsmechanismus gilt für Nutzpflanzen, die gentechnisch gegen Dürre, Frost oder Schädlinge widerstandsfähig gemacht werden. Diese Eigenschaften können Wildpflanzen, die bislang mit konventionellen Methoden zurückgedrängt werden konnten, in nicht mehr zu kontrollierende "Superunkräuter" verwandeln.

2) Wenn der Landwirt im 2. Jahr das Totalherbizid und das dazu passende Saatgut derselben Firma einsetzt, wird er feststellen, daß das Herbizid an Wirkung eingebüßt hat. Er kann nun auf das Jäten zurückgreifen oder zusätzlich wieder herkömmliche Herbizide einsetzen.

Im Gegensatz zu den Aussagen der BioTech-Konzerne führen beide Tatbestände zu einem vermehrten Herbizid-Einsatz.

Quellen:

Risö-Nationallabors 1996, Roskilde, Dänemark

Goldburg, R.J. (1994) Weed Technology 6, 647-652

Abbot, R.J. (1994) Trends in Ecology and Evolution 9, 280-282

Union of Concerned Scientists (1994) Gene Exchange 5(1), 6-8


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