Presseerklärung vom 15. Oktober 2000

Welternährungstag am 16. Oktober ?
Die falschen Versprechen der Gen-Industrie

Studie "The False Promise of Genetically Engineered Rice"
im Internet unter:

http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/STU_LANG/C05ST03.HTM 

Hamburg, 15.10.2000. Mit Gentechnik lässt sich das
weltweite Hungerproblem entgegen den Werbesprüchen der
Gen-Industrie nicht lösen. Tatsächlich droht das
Gegenteil: Gentechnik in der Landwirtschaft wird die
Nahrungssicherheit der Weltbevölkerung weiter
verringern. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die
Greenpeace anlässlich des Welternährungstages am 16.
Oktober veröffentlicht hat. Die Untersuchung
"Genmanipulierter Reis: das falsche Versprechen"
bestätigt einmal mehr, dass Armut die entscheidende
Ursache der Unterversorgung ist.

"Es gibt genug Lebensmittel auf der Welt, aber 800
Millionen Menschen können sie sich schlicht nicht
leisten", sagt Thomas Schweiger, Gentechnik-Experte bei
Greenpeace. "Die Einführung teurer Gentech-Sorten wird
die Ungleichheit noch erhöhen, die Menschen hungern
lässt. Es gibt keine technische Lösung für das
Hungerproblem."

Aus diesem Grund kann auch der sogenannte "Goldene
Reis", der durch Genmanipulation einen erhöhten Anteil
Vitamin A enthält, die Vitamin-Unterversorgung vieler
Menschen in Entwicklungsländern nicht bekämpfen.
Stattdessen werden in dem Bericht andere Lösungen
vorgestellt, die bereits gute Ergebnisse vorweisen
können. "Es werden Millionen in die Entwicklung von
Gentech-Reis gesteckt. Mit diesem Geld sollte man jene
Strategien fördern, die bereits bewiesen haben, dass sie
den Menschen wirklich helfen", fordert Schweiger.

Mit Kampagnen wie zum "Goldenen Reis" lenken die
multinationalen Konzernen davon ab, dass sie mit Hilfe
der Gentechnik die weltweite Lebensmittel-Produktion
unter ihre Kontrolle bringen wollen. Neben der
Gentechnik zählt auch das Patentrecht zu ihren Waffen.
Strategisch schon lange geplant, haben die Firmen massiv
in die "Grüne Gentechnik" investiert und zusätzlich fast
den gesamten Saatgutbereich in den letzten Jahren
aufgekauft. "Nun lassen sich diese Unternehmen eine
Pflanzensorte nach der anderen patentieren, als ob sie
eine Erfindung wären. Damit beherrschen einige wenige
Konzerne den globalen Saatgutmarkt und so den Zugang zu
Sorten und sogar einzelnen Pflanzen", erklärt Schweiger.
Greenpeace fordert, dass Gene und Lebewesen nicht
patentiert werden dürfen, da Leben keine Erfindung ist.

Einer der Hauptakteure im Ringen um die Zukunft der
Welternährung ist DuPont-Pioneer: Weltmarktführer im
Saatgutbereich, in der Agrochemie auf Platz 4. DuPont
kaufte 1999 für 9,4 Mrd. US-Dollar den weltweit größten
Saatguthersteller Pioneer Hi-Bred, der erhebliche Teile
des Weltmarktes für Soja und Mais kontrolliert. Die
Patentanträge von DuPont-Pioneer zielen noch deutlicher
als bei anderen Firmen darauf, sich große Teile des
Genoms der Nutzpflanzen anzueignen. Mit dem Patentschutz
ganzer Pflanzen-Arten könnte der Konzern eine bedeutende
Kontrolle über den Saatgutmarkt erlangen. Ähnliche
Strategien verfolgen Monsanto, der erst im Oktober
fusionierte Konzern Syngenta (die Agrarsparten von
Novartis und Astra Zeneca) und die Firma Aventis, eine
Fusion der Firmen Hoechst und Rhone-Poulence.


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