Transgene Agrarprodukte werden nur genehmigt, wenn die
Genmanipulation unbedenklich ist. Die Ergebnisse von Kaatz
haben ernsthafte Zweifel aufkommen lassen: "Das muss in
jedem Falle geprüft werden. Ich nehme derartige Studien sehr
ernst. Und derartige Studien sind immer ein Anlass, erneut zu
prüfen, ob die Unbedenklichkeit wirklich gegeben ist",
so Ulrike Riedel, beim Bundesgesundheitsministerium zuständig
für gentechnische Fragen. Der Saatguthersteller AgreVo, der
das Versuchsfeld bestellt hat, verweigerte dagegen jeden
Kommentar zu den neuen Ergebnissen. Und in Berlin hört man
hinter vorgehaltener Hand: Das Forschungsministerium will die
Mittel für weitere Bienen-Versuche sperren.
Dem Professor war die politische Sprengkraft seiner
Forschung anfangs wohl nicht bewusst, doch nun droht er
zwischen die Mühlsteine von Politik und Wirtschaft zu
geraten. Seine so harmlos aussehenden Versuche mit Bienen und
Raps wirken nach: Für die Gentechnik sind Kanzler,
Wirtschafts- und Forschungsminister, für die Sicherung von
Gesundheit und Umwelt dagegen die grünen Ressorts. Der
Professor hat mit seinen Bienen-Versuchen gewissermaßen in
ein Wespennest gestochen.
Die meisten Menschen lehnen Gentechnik ab, denn sie haben
Angst vor gefährlichen Folgen. Und entsprechend der starken
Bedenken der Bevölkerung müssen auch Politiker und
Unternehmer handeln: "Mensch und Umwelt haben in jedem
Falle Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen. Jeder
Verbraucher muss ein freies Entscheidungsrecht haben, ob er
gentechnisch veränderte Organismen mit seiner Nahrung essen
will oder nicht. Das heißt: Wir brauchen eine strikte
Kennzeichnungspflicht", fordert Ulrike Riedel vom
Bundesgesundheitsministerium
Experten wie Beatrix Tappeser vom Öko-Institut Freiburg
warnen vor den Gefahren: "Ich halte den Befund für
ziemlich alarmierend, weil das ja zeigt, dass Genübertragung
in größerem Ausmaß stattfindet, als wir bisher vermutet
haben. Und bisher gibt es ja schon eine heftige Diskussion darüber,
was es heißt, wenn plötzlich diese neu kombinierten
Gensequenzen in ganz andere Organismen kommen als in die, wofür
sie vorgesehen sind."