Pressebüro der PDS
Datum : 19.05.2000
Nr. : 1580
Thema : Landwirtschaft/Gentechnik


Aus Versehen Gen-Raps angebaut? Wer's glaubt wird selig

Aus Anlass des aufgedeckten Gen-Raps-Skandals erklärt 
die landwirtschaftspolitische Sprecherin der 
PDS-Bundestagsfraktion, Kersten Naumann: 

Der Kontrollverlust über gentechnisch verändertes Saatgut 
lässt nur erahnen, was sich zukünftig auf unseren Feldern 
und Tellern einstellen wird. 

So stellt sich die Frage, warum britisches Saatgut, das aus 
herkömmlicher Zucht stammen soll, über Kanada nach 
Deutschland, Frankreich und Schweden kommt und plötzlich mit 
Gen-Saatgut kontaminiert ist? 

Wenn das Kapital nicht offen nach seinen profitgierigen 
Interessen handeln kann, so tritt es den globalen Feldzug 
heimlich, still und leise an. Das zeigt einmal mehr, dass 
Gentechnik selbst mit politischem Willen nicht mehr zu 
kontrollieren ist. Mittlerweile ist in Europa auf 1.500 ha 
Gen-Raps zur Aussaat gekommen. 

Ob die Akteure, die gegen geltendes Recht und Anbauverbot in 
den europäischen Ländern verstoßen haben, je zur 
Verantwortung gezogen werden, bleibt offen. 

Hinzu kommt, dass trotz der Kenntnis der Behörden über den 
illegalen Vorgang seit fast einem Monat, diese jegliche 
Handlungsaktivitäten fehlen ließen und im Nachhinein den 
Skandal herunterzuspielen versuchen. 

Während die politischen Kontrollmechanismen versagen, 
gewinnen die kapitalistischen Wirtschaftsakteure an 
Kontrolle: über Nahrung, Märkte, Gene und Politik. Die 
Verunsicherung der Bauern und Verbraucher wird um so mehr 
geschürt. 

Der verantwortungslose Umgang mit gentechnisch veränderten 
Pflanzen kann nur durch ein Verbot ihrer Herstellung 
verhindert werden. 

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