Die Welt; Sa 6.3.99 Prinz
Charles gegen Genmanipulierte Nahrung
Gott und die Gene. Autor: Prinz von Wales
Ich glaube, daß gentechnische Veränderungen viel mehr sind als
nur eine Erweiterung der selektiven Züchtungstechniken. Genen
von Lebewesen zu mischen, die auf natürlichem Wege niemals
miteinander gekreuzt werden könnten, führt uns in Bereiche, die
wir besser Gott überlassen sollten. So dürfen wir nicht mit den
Grundsteinen des Lebens spielen.
Ich weiß durchaus, daß genetische Manipulationen zu großen Fortschritten in der Medizin und der Landwirtschaft führen und auch einen Beitrag zu einer gesünderen Umwelt leisten können. Es gibt wirklich hervorragende medizinische Anwendungen der Gentechnik, die der Menschheit großen Segen bringen könnten. Doch fortschrittliche Technologien bergen immer auch Gefahren.
Ich bin nicht davon überzeugt, daß wir genug über die langfristigen Auswirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen und - der Himmel bewahre uns davor -Tiere auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt wissen. Daher befürchte ich, daß das Anpflanzen von herbizitresistenten Pflanzen nicht zu weniger; sondern zu einem stärkeren Einsatz von Chemikalien auf den Feldern führen wird. Aber das ist noch nicht alles. Solche sterilen Felder werden kein oder zumindest weniger Nahrung für wildlebende Tiere bieten und es gibt bereits Belege dafür daß die Gene für die Herbizitresistenz auch in andere Wildpflanzen gelangen können. Dies würde schließlich dazu führen, das Unkräuter resistent gegen Unkrautvernichtungsmittel werden.
Pflanzen, die ihre Pestizide selber produzieren - das klingt zunächst nach einer wunderbare r Idee, bis man davon hört, daß auch Nutzinsekten wie Florfliegen und Marienkäfer davon betroffen sein werden. Und weil sich die Pestizide überall in den Pflanzen befinden, ist es vorherzusagen, daß die Schädlinge schon sehr schnell gegen sie resistent werden.
Aber was werden wir dann tun.Genetisches Material bleibt nicht einfach dort, wo man es ausbringt. Pollen werden durch Wind und Insekten weiter verbreitet. Genetisch manipulierte Pflanzen können daher natürliche Pflanzen in ihrer Umgebung kontaminieren. Und das kann nicht erwünscht sein. Größere Probleme mögen, wie wir annehmen, zwar sehr unwahrscheinlich sein. Aber wenn doch irgendetwas mit den genmanipulierten Planzen schief läuft, dann werden wir es mit einer Umweltbeeinträchtigung zu tun haben, die sich wie von selbst weiter ausbreiten kann. Ich glaube nicht, daß irgendjemand weiß, was nach einem solchen Unfall zu tun wäre und wer die Kosten dafür zu tragen hätte. Es gab seinerzeit ja auch Leute, die es für eine gute Idee hielten, Hasen und eine spezielle Krötenart nach Australien zu bringen.
Ich wundere mich über die Behauptung, daß einige genmanipulierte Pflanzen so wesentlich für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sein sollen. Ist das denn wirklich wahr? Ist hier das Problem nicht eher fehlendes Geld denn ein Mangel an Nahrungsgütern? Und wie wollen die Konzerne, die die Patente an diesen Technologien halten, einen hinreichenden Profit erzielen, wenn sie ihre Produkte ausgerechnet an die Ärmsten der Welt verkaufen wollen? Wäre es da nicht besser sich auf die Anwendung nachhaltiger Methoden zu konzentrieren, die eine Verdopplung oder Verdreifachung der Ernteerträge auch mit traditionellen Landwirtschaftlichen Techniken erlauben?
Bislang hat sich die öffentliche Diskussion auf die Chancen und Risiken sowie die Effizienz der gesetzlichen Bestimmungen konzentriert. Diese Dinge sind wichtig, aber auch eine effektive und übersichtliche Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Verbraucher wie ich, die diese Nahrungsmittel meiden möchten, müssen auch eine Chance haben, es zu tun.
Aber wir brauchen auch eine öffentliche Debatte darüber, ob wir genetisch veränderte Pflanzen wirklich brauchen. Bitte beteiligen Sie sich an dieser Debatte.
Dieser Artikel steht auf der Home-page des britischen
Kronprinzen. Die eindeutige Meinung von Prinz Charles steht in
direktem Gegensatz zur Position der Regierung Tony Blair Wir
drucken diesen Text mit freundlicher Genehmigung des Prinzen.
Weitere Informationen unter:
http://www.princeofwales.gov.uk/forum/
An dieser Stelle lädt die WELT
täglich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein, ihren
Standpunkt zu vertreten.