dpa 17.12.96 11:45

Copyright dpa, 1996

Grüne sehen sich bestätigt: Gentechnik ist Risikotechnik

Bonn (dpa) - Bündnis 90/Die Grünen sehen ihre Warnungen bestätigt, daß die Gentechnologie entgegen den Versicherungen der Bundesregierung eine Risikotechnik ist. Eine beim Öko-Institut in Freiburg in Auftrag gegebene Studie habe ergeben, daß die Kenntnisnahme und die Erforschung der ökologischen Folgen der Gentechnik systematisch vernachlässigt werde, berichtete die Gentechnik-Expertin der Grünen, Marina Steindor, am Dienstag vor Journalisten in Bonn.

Allein die relativ kurze Zeit der Anwendung lasse es nicht zu, von einer Unbedenklichkeit der Gentechnik auszugehen, wie im jüngsten Bericht der Bundesregierung zu Erfahrungen mit dem Gentechnikgesetz. Vielmehr belegten erste Untersuchungen, daß auch von genmanipulierten Organismen der kleinsten Sicherheitsstufe giftige Wirkungen ausgehen können. Die Grünen-Politikerin kritisierte auch, daß bis heute die Haftung und Deckungsvorsorge nicht ausreichend geregelt sei. Eine Reihe von im Gesetz vorgesehenen Verordnungen seien im Entwurfsstadium "abgewürgt" oder nicht angegangen worden.

Die Autorin der Studie, die Biologin Beatrix Trapper vom Öko- Institut, hatte nach eigenen Angaben weltweit rund 5 000 gentechnische Freisetzungsversuche ausgewertet. Dabei habe sich gezeigt, daß das Risiko dieser Versuche weder angemessen untersucht noch entsprechend berüchsichtigt werde. "Wer nicht hinsieht, wird natürlich nichts finden", sagte sie. Eine strengere Regulierung und vor allem Überwachung der Experimente sei dringend notwendig.

Während die Grünen die Gentechnik weiterhin strikt ablehnen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Naturschutzringes, Helmut Röscheisen, seine Organisation lehne die neue Technologie nicht total ab. Sie sei aber eine Risiko-Technologie, bei der größte Vorsicht und sehr sorgfältige Beobachtung notwendig sei. dpa dr rm


Übersicht